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17. November 2016

Alex Barta: Die ganze Bandbreite des Profisports erlebt

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion

Stürmer der Düsseldorfer EG feierte nationale wie internationale Erfolge, musste dafür aber einen hohen Preis zahlen / Bayern München-Fan steht auf "Die Toten Hosen", Inneneinrichtung und Tennis / Ein Wochenende voller Highlights vor der Tür

Die ganze Bandbreite im Leben eines Eishockey-Profis hat Alexander Barta bereits mitgemacht. Der 33 Jahre alte Stürmer der Düsseldorfer EG wurde Meister, hat immense internationale Erfahrung gesammelt, an den Olympischen Spielen teilgenommen und seit seinem DEL-Profidebüt in der Saison 2001/2002 unter vielen Trainern gespielt. Ja, Barta kann durchaus einiges erzählen, wenn er auf seine beeindruckende Karriere blickt. Schattenseiten inklusive. Auch die gehören nun mal zum Beruf eines Profisportlers.  

Die reinen Zahlen bis heute: 658 DEL-Spiele, 147 Tore, 229 Vorlagen, 376 Punkte für die Eisbären Berlin, mit denen er in der Saion 2004/2005 den Titel holte, Hamburg Freezers, den EHC Red Bull München, ERC Ingolstadt und seinen aktuellen Arbeitgeber Düsseldorfer EG hat Barta bereits auf dem Buckel. Dazu kommen 153 Länderspiele für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft. An sieben Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen 2006 in Turin nahm der gebürtige Berliner teil. Eine stolze Bilanz.

Eines seiner Karrierehighlights: Das Auftaktspiel der Heimweltmeisterschaft 2010 in der Arena auf Schalke, als Deutschland vor 80.000 Zuschauern die US-Auswahl mit 2:1 bezwang. „Das war ein unheimlich schönes Erlebnis“, blickt Barta zurück. Das goldene Nationalmannschaftstrikot, na klar, hat er auch aufgehoben. Felix Schütz erzielte damals das entscheidende Tor für die deutsche Auswahl.

Felix Schütz ist ein gutes Stichwort. Die beiden Stürmer spielten viele Jahre nicht nur Seite an Seite in der Nationalmannschaft, Barta und Schütz verbindet sogar eine weitere Gemeinsamkeit: Sie gehören zu den wenigen deutschen Spielern, die auch im europäischen Ausland tätig waren bzw. sind. Zwei Jahre waren es bei Barta: Von den Hamburg Freezers wechselte der Rechtsschütze erst zu  den Malmö Redhawks, dann zu Schütz‘ aktuellem Arbeitgeber Rögle BK. „Die Zeit in Schweden hat mich reifer gemacht. Es war eine gute Erfahrung“, sagt der Stürmer heute.

Aber: Sowohl in Schweden als auch zuvor in Deutschland war nicht alles Gold, was glänzt. Das musste besonders Barta sehr leidvoll erfahren und das sind eben die Schattenseiten eines Profis. Wären nicht zwei schwerwiegende Verletzungen dazu gekommen, Bartas nationale und internationale Statistik wäre heute vermutlich noch viel beeindruckender.

Rückblick, 23. März 2008: In einer Unterzahlsituation bei der Partie zwischen den Hamburg Freezers und den Eisbären Berlin fährt Barta einen Konter. Er schießt aufs Tor, geht dem Abpraller nach, doch sein Gegenspieler ist vor ihm an der Scheibe. Barta denkt, dass der Berliner rechts abbiegt, doch dieser kurvt nach links. Die Schlittschuhe verhaken sich, Barta fällt und kracht ungebremst mit den Beinen voraus in die Bande. Den Fans und TV-Zuschauern stockt der Atem. Das rechte Bein ragte in einem unnatürlichen Winkel nach rechts. Jeder wusste: Da ist etwas Schlimmes passiert!

Weil Bartas Hüfte blockierte und quer stand, konnte er zuerst nicht in den Rettungswagen geschoben werden. Barta bekam Schmerzmittel. Dann ging‘s mit Blaulicht ins Krankenhaus Die niederschmetternde Diagnose: Oberschenkel-Bruch! Neuneinhalb Monate musste Barta nach seiner Horror-Verletzung pausieren, kam erst im Januar 2009 wieder zurück: „Das war eine sehr lange Leidenszeit. Man macht sich sehr viele Gedanken.“

Alexander Barta über seine zweite schwere Verletzung

"Als ich nach der Schulter- und Bizepsoperation in der Nacht aus der Narkose aufgewacht bin, waren das die bisher schmerzhaftesten Stunden meines Lebens. Ich konnte tagelang noch nicht mal einen Kugelschreiber festhalten. Ohne Schmerzmittel war das nicht zum Aushalten.“

Aber es sollte noch schlimmer kommen für den Nationalspieler. Im März 2012 knallte Barta in den schwedischen Playdowns nach seinem Treffer zum 1:0 für Rögle gegen Södertälje mit Vollgas in Richtung Bande hinter dem gegnerischen Kasten. „Als ich die Scheibe am Keeper vorbei gelupft habe, bin ich mit den Schlittschuhen irgendwie verkantet und mit voller Wucht mit der Schulter in die Bande gerauscht. Es war noch nicht mal ein Foul, sondern eigentlich meine eigene Schuld. Ich wusste sofort, dass alles kaputt war“, erinnert er sich.

Die Diagnose noch niederschmetternder als bei seiner ersten großen Verletzung. „Es gab leider zwei Diagnosen“, sagt Barta: „Zunächst waren es `nur´ drei Rippenbrüche und eine durch die Brüche punktierte Lunge, was noch in Schweden behandelt wurde. Hinzu kamen eine Schultereckgelenkssprengung und drei gerissene Bänder in der Schulter. Bei der Operation hat man dann aber festgestellt, dass auch noch die Bizepssehne gerissen war und es am Ende nicht drei, sondern vier gebrochene Rippen waren.“

Barta dachte eigentlich, dass es keine schlimmeren Schmerzen im Vergleich zu 2008 geben könne. Er sollte sich irren. „Diesmal war es noch schlimmer. Das mit den Rippen und der Lunge war ja vergleichsweise noch okay, aber als ich nach der Schulter- und Bizepsoperation in der Nacht aus der Narkose aufgewacht bin, waren das die bisher schmerzhaftesten Stunden meines Lebens. Ich konnte tagelang noch nicht mal einen Kugelschreiber festhalten. Ohne Schmerzmittel war das nicht zum Aushalten.“  Eine erneute Leidenszeit begann.

Nach  zwei Jahren München und einer Saison in Ingolstadt nun also Düsseldorf. Endlich, muss man sagen. Denn ein Teil des Eishockeyherzens von Alexander Barta war schon von klein auf bei der DEG. „Die war das Maß aller Dinge im Deutschen Eishockey. Meine Großeltern lebten in Garath. Und wenn ich zu Besuch war, war die DEG immer ein Thema.“ Als er dann im Eisstadion an der Brehmstraße stand und die Meisterhelden anfeuerte und ihnen zujubelte, war das Feuer für die DEG entfacht. Barta nennt sie unumwunden seinen Lieblingsverein. 

Bartas Ritual an Spieltagen

„Ich zieh mir alles auf der rechten Seite zuerst an und schlafe rund anderthalb Stunden am Spieltag. Und auf dem Weg in den ISS Dome höre ich die Toten Hosen.“

Düsseldorf, das sind bekanntlich auch „Die Toten Hosen“. Schon seit ein paar Jahren gehören die Düsseldorfer Musiker zu Bartas Lieblingsbands. Das typische Ritual des Mittelstürmers ist daher nicht erst seit seinem Vertrag am Rhein eingekehrt: „Ich zieh mir alles auf der rechten Seite zuerst an und schlafe rund anderthalb Stunden am Spieltag. Und auf dem Weg in den ISS Dome höre ich die Toten Hosen.“

Das dürften Campino und Co., selbst begeisterte Eishockey-Fans, gern hören. Weniger allerdings, dass Barta in der Fußball-Bundesliga glühender Bayern München-Fan ist.  Am 25. Mai 2013 jubelte Barta gemeinsam mit den bei der DEG ebenfalls bestens bekannten Reimer-Brüdern Patrick und Jochen noch live im Londoner Wembley-Stadion über den Champions League-Sieg gegen Borussia Dortmund. Wie es der Zufall will, stehen sich beide Mannschaften am kommenden Samstag in der Bundesliga erneut gegenüber.

Das kommende Wochenende ist ohnehin ein Highlight für Barta. Am Freitag geht es mit der DEG erstmals an seine alte Wirkungsstätte nach Ingolstadt, wo er mit Patrick Köppchen auf einen seiner besten Kumpels trifft. Am Samstag fiebert er mit den Bayern mit und am Sonntag steht sein erstes Rhein-Derby gegen die Kölner Haie auf dem Programm. „Da freue ich mich riesig drauf. Ich durfte das schon in Berlin erleben, damals mit den Eisbären gegen die Capitals. Das ist eine absolut geile Sache, die für die Fans und für uns wichtig ist und für die ganze Liga interessant ist“, sagt der Hobby-Tennisspieler, der im Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort eine Wohnung bezogen hat.

Apropos Wohnung: Bartas Kreativität auf dem Eis schlägt sich auch in seiner privaten Umgebung nieder. Der DEG-Angreifer steht auf geschmackvolle Einrichtung und hat über die Jahre besondere Gegenstände zusammen gesammelt. Papa und Mama Barta hatten früher mal ein Antiquitätengeschäft in Berlin. Der Center sagt daher: „Wenn du dich in der Wohnung heimisch fühlst, ist das die Voraussetzung, dass du deine beste Leistung abrufen kannst. Darum investiere ich relativ viel Zeit, mich einzurichten. So richtig fertig wird eine Wohnung nie, sie entwickelt sich immer weiter. Sehe ich etwas, das mir gefällt, nehme ich es mit und baue es in meine Wohnung ein.“

Ein Fernseher steht definitiv in seiner Wohnung. Den nutzt er sicher am Samstagabend, um „seine“ Bayern gewinnen zu sehen. Barta hätte sicher nichts dagegen, wenn er sich am Sonntag nach dem Spiel gegen die Haie auch noch mal die Wiederholungen vom Derby-Erfolg  seiner DEG anschauen könnte…