Interview

24. August 2022

Das muss der Anspruch sein

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion

Mit Tobias Abstreiter, Trainer der U20-Nationalmannschaft, haben wir über ein erfolgreiches Turnier, das Erfolgsrezept der U20-Nationalmmannschaft und dessen schwierige Zukunft gesprochen.

Vom 09. bis zum 20. August wurde im kanadischen Edmonton die U20-Weltmeisterschaft nachgeholt, die im vergangenen Winter aufgrund von Coronafällen in mehreren Teams abgebrochen werden musste. Ein harter Schlag für die deutsche Auswahl, dir sich zum Zeitpunkt der Absage auf einem guten Weg in Richtung Viertelfinale befand. Von den ungewöhnlichen Umständen, eine WM im Sommer zu spielen, ließ sich das DEB-Team aber nicht beirren, spielte sich erneut in die Runde der besten Acht, wo sie trotz gutem Spiel Finnland unterlag. Zusammen mit Nationalcoach Tobias Abstreiter haben wir nochmal einen Blick auf das Turnier geworfen und mit ihm besprochen, wo der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft begründet liegt und welche Schwierigkeiten in Zukunft auf das Team zukommen.

Zunächst herzlichen Glückwunsch zu einer starken Leistung ihres Teams! Können Sie schon ein Fazit ziehen?

Es war für uns alle eine große Herausforderung, uns auf eine Weltmeisterschaft vorzubereiten, die im August stattfindet. Das war für uns alle ein Novum, aber auch eine schöne neue Erfahrung. Wir haben uns von Tag eins an gut vorbereitet und den Jungs war bewusst, welche Herausforderungen da auf sie zukommen, sowohl körperlich als auch durch das Spiel auf der kleinen Eisfläche.

Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass sie das sehr gut gemacht haben. Speziell ab dem Zeitpunkt, ab dem wir in Edmonton trainiert haben, also ab dem ersten August, hat man dann gemerkt, dass Vorfreude und Spannung immer weiter gestiegen sind und der Fokus immer schärfer wurde.

Auf der kleinen Eisfläche ist es aber eben ein ganz anderes Spiel, weswegen wir zu Beginn leichte Probleme hatten. Es ist dann aber von Spiel zu Spiel immer besser geworden und wir haben unsere Denkweise auf das kleinere Eis umgewandelt und uns folglich auch besser zurechtgefunden. Von daher war es ein wirklich gutes Turnier mit zwei Siegen und dem Viertelfinaleinzug. Auch das Spiel gegen Finnland war bei 5-gegen-5 wirklich gut. Die Finnen waren aber etwas cleverer als wir, speziell im Powerplay effizienter und in der ein oder anderen Situation vielleicht etwas erfahrener.

Unterm Strich war es also ein sehr erfolgreiches Turnier. Wenn wir aber im Viertelfinale so knapp vor einer Sensation stehen, dann sollten wir da nicht satt sein, sondern für die Zukunft weiter hungrig bleiben. Wir müssen aber darauf hinarbeiten, dass wir in solchen Situationen, in denen wir mit großen Nationen auf Augenhöhe sind, so weit sind, dass wir uns cleverer verhalten und aus solchen Spielen lernen.

Sie haben die besonderen Umstände des Turniers bereits angesprochen, wie haben Sie als Trainer und wie hat die Mannschaft dieses Turnier wahrgenommen?

Natürlich spielt man lieber vor vollen Rängen, wenn die Stimmung super ist und eine große Fanresonanz da ist. Wir haben aber die letzten beiden Turniere in Edmonton gespielt, vor zwei Jahren war wegen Corona gar keiner da und im letzten Jahr waren auch nicht viele Zuschauer dabei. Im Vorfeld hatten wir zwar schon die Hoffnung, dass mehr Zuschauer kommen, aber unter dem Strich gehst du aufs Eis und blendest den Rest aus. Es war aber definitiv schade, denn die Jungs hätten mehr verdient gehabt.

Die letzten Jahre sind für die U20-Nationalmannschaft durchaus eine erfolgreiche Zeit gewesen: Aufstieg, Viertelfinalteilnahme, Kurs Viertelfinale dann Turnierabbruch und nochmal Viertelfinalteilnahem: Wo liegen, ihrer Meinung nach, die Gründe für diesen Erfolgskurs?

Zum eine hatten wir in den letzten Jahren außergewöhnliche Jahrgänge, besonders den Jahrgang 2002. Das gibt es eben auch mal, da darf man sich aber natürlich nicht drauf verlassen – es kommen bestimmt auch wieder schlechtere Zeiten. Der Hauptgrund ist aber, dass die Jungs in ihren Mannschaften spielen dürfen, Eiszeit und Vertrauen bekommen und sich das Vertrauen der Trainer erspielen und erarbeiten. Das ist ein ganz wichtiger Faktor, denn auf diesem Level hast Du als Spieler nur eine Chance, wenn Du auch in der besten Liga deines Landes spielst. Und so sollte es in der Zukunft auch sein, dass wir bei der Zusammenstellung der U20-Nationalmannschaft aus Spielern auswählen, die in der PENNY DEL spielen oder in der DEL2 eine tragende Rolle in ihrem Team haben. Wenn das der Fall ist, dann haben wir in der Zukunft auch gute Chancen, dieses Level zu halten. Sollte das aber nicht so sein, wird es sicher immer schwerer, denn andere Länder ziehen auch nach. Deswegen ist es so wichtig, dass die jungen Spieler in den besten, deutschen Ligen eingesetzt werden.

Hat die U23-Regelung in der PENNY DEL für Sie auch ihren Teil dazu beigetragen?

Für mich sind solche Regeln gar nicht so wichtig, wichtiger ist, dass die jungen Spieler auch spielen. Natürlich hilft es, es darf aber nicht so sein, dass die Jungs nur im Kader sind, um solche Regeln zu erfüllen. Junge Spieler müssen spielen und wenn sie gut sind und die Vorrausetzungen mitbringen, dann muss man mit ihnen arbeiten und dann werden sie auch automatisch eingesetzt.

Wie sehen sie die Zukunft dieser Entwicklung?

Es wird in der Zukunft sicher schwer, dieses Level zu halten. Wenn man sich anschaut, wie viele Spieler des Jahrgangs 2003 derzeit in der PENNY DEL spielen, dann wird klar, dass uns schon diesen Dezember eine schwere Aufgabe bevorsteht, bei der es vornehmlich darum gehen wird, die Klasse zu halten und in der A-Gruppe zu bleiben. Das ist nicht pessimistisch, sondern realistisch.

Bei diesem Turnier hat man aber doch gesehen, dass Deutschland auch Ländern wie Finnland auf Augenhöhe begegnen kann. Wie darf also der Anspruch an kommende Turniere aussehen?

Wenn wir den Anspruch haben wollen mit diesen Ländern mitzuhalten, dann müssen alle Spieler der U20-Nationalmannschaft auch in der höchsten, deutschen Liga spielen. Das muss unser Anspruch sein. Wenn wir auf diesem Niveau mitspielen wollen, dann muss ich einen Kader aus 30-40 Spielern aus der PENNY DEL haben.

Bis zum nächsten Turnier ist nicht mehr viel Zeit. Wie sieht jetzt der Fahrplan bis dahin aus?

Ja, es ist allerdings nur eine sehr kurze Phase bis zur nächsten WM. Ein Vorteil könnte aber sein, dass wir in Edmonton schon viele junge Spieler eingebaut haben, die damit bereits wichtige Erfahrungen für das kommende Turnier im Winter sammeln konnten. Jetzt muss ich allerdings schauen, dass ich die Spieler aus dem Jahrgang 2003, die im letzten Jahr keine internationalen Maßnahmen gehabt haben, auf die kommende Weltmeisterschaft vorbereite. Wir müssen also versuchen, die Jungs trotz der kurzen Vorbereitung bestens auf dieses Niveau vorzubereiten.