Schiedsrichter

24. Juli 2018

DEL-Profischiedsrichter Aleksi Rantala im Interview

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion

Schiedsrichter Neuzugang aus Finnland ist Teil der deutschen Eishockey-Geschichte: „We have a good goal“

Die DEL geht mit sieben Profi-Schiedsrichtern in die Saison 2017/18. Neben Lasse Kopitz, Marc Iwert und Andrew Howard ist Aleksi Rantala der vierte neue Profi in den Reihen der DEL-Schiedsrichter. Wir haben uns mit dem Finnen über seine Karriere und seine neue Aufgabe in der DEL unterhalten.

Zahlreiche Eishockey-Fans in Deutschland kennen den Neuzugang im Schiedsrichter-Kader bereits von den Olympischen Spielen in Pyeongchang, bei denen die Deutsche Eishockey-Nationalmannschaft sensationell die Silbermedaille gewann und Aleksi Rantala Schiedsrichter im Viertelfinale und im Finale war.

Zur Person Aleksi Rantala

Der 39 Jahre alte Unparteiische aus Finnland ist seit seinem 17. Lebensjahr als Schiedsrichter aktiv. Seit 2001 pfeift Aleksi Rantala Spiele im Bereich der IIHF und 2002 folgte der Schritt in die höchste Spielklasse Finnlands. International hat der Finne alles erreicht, was ein Schiedsrichter erreichen kann. Neben Einsätzen bei U18- und U20-Turnieren der höchsten Kategorie leitete Aleksi Rantala auch Spiele bei fünf Weltmeistschaften der Top-Division und war bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang/Südkorea im Einsatz. Hier leitete er unter anderem das Viertelfinale zwischen Deutschland und Schweden sowie das Endspiel zwischen Deutschland und Russland.

Aleksi, zunächst ein herzliches Willkommen in der DEL. Freust du dich auf deine kommenden Aufgaben?

Ich freue mich sehr darauf und bin bereits sehr aufgeregt. Ich komme in eine neue Liga und habe eine neue Herausforderung. Zudem werde ich zum ersten Mal in meiner Karriere Profischiedsrichter sein. Zwischen 2015 und 2017 war ich in Schweden semiprofessioneller Schiedsrichter und das ist jetzt der nächste Schritt. Ich habe viele gute Sachen in der Deutsche Eishockey Liga erlebt und auch über die Liga gehört. Nicht zuletzt freue ich mich auch auf die Stimmung in den Arenen, die ich bereits aus Spielen im Rahmen des „IIHF Referee Exchange Program“ kenne.

Unterscheidet sich denn die Stimmung in den DEL-Arenen so sehr von Spielen in Finnland und Schweden?

Es ist deutlich lauter als in Skandinavien. Dort wird auch gesungen und angefeuert aber die Interaktion der Fans mit dem Geschehen auf dem Eis ist in Deutschland noch einmal deutlich intensiver.

Wie siehst du deine Aufgabe auf dem Eis? Wie ist deine Philosophie der Aufgabe eines Schiedsrichters?

Eishockey ist ein Spiel der Spieler. Es ist die Aufgabe der Schiedsrichter, dass das Spiel nach den Regeln abläuft und dass das Spiel sicher für die Spieler ist. Dennoch ist jede Partie anders und darauf muss sich ein Schiedsrichter einstellen. Das ist die Herausforderung, der wir uns letztlich stellen müssen: Wir müssen das Spiel lesen und dann die Linie finden, die dieses Spiel braucht.

Aleksi Rantala beim Videobeweis im Viertelfinale der Olympischen Spiele gegen Schweden ab 2:07.

Gehen wir kurz an den Anfang deiner Karriere. Wie bist du zum „Streifendienst“ gekommen?

Ich war 17 Jahre alt und konnte nach 10 Jahren Eishockey nicht mehr selber spielen. Eines Tages kam mein Vater in mein Zimmer und schlug vor, dass ich doch Schiedsrichter werden könnte, um damit dem Spiel, dass wir alle lieben, verbunden zu bleiben. Ich nahm diesen Vorschlag an und muss inzwischen sagen, dass es eine hervorragende Idee meines Vaters war. Ich war bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen zusammen mit den besten Spielern der Welt auf dem Eis. Das ist eine großartige Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Das Highlight war sicherlich das Finale der Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang…

Dass ich das erleben durfte, ist wohl das Highlight meiner Schiedsrichterkarriere. Es gibt schließlich nicht so viele Schiedsrichter, die ein Olympisches Finale leiten durften und Olympische Spiele sind – wie für die Sportler auch – das größte, was man erreichen kann.

Du standst auch beim Viertelfinale auf dem Eis, dass Deutschland in der Verlängerung gegen Schweden gewann und du warst derjenige, der die Entscheidung nach dem Videobeweis in der Verlängerung verkündete.

Ja, daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Wir Schiedsrichter sind grundsätzlich neutral, aber natürlich merken wir auch, dass hier gerade etwas Großes passiert und sich eine Sensation anbahnt. Die deutschen Spieler waren während des Videobeweises extrem aufgeregt und nach der Entscheidung „We have good goal“ sind die Spieler explodiert. Das war eine unglaubliche Atmosphäre und eine Sensation. Aber das sind dann eben Olympische Spiele und der Sport, für den alle Beteiligten – Spieler, Fans, Betreuer und auch die Schiedsrichter – leben.

Aleksi, wir danken für das Gespräch und wünschen dir viel Erfolg in der DEL.