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03. September 2020

Eishockey in Namibia? Axali hat einen Traum

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion

Mehr als 1.300 Kilometer von der nächsten Eishalle entfernt möchte Axali Jack Doeseb Eishockeyprofi werden

Axali Jack Doeseb ist 23 Jahre alt, wohnt in Namibia und will Eishockey spielen. Eigentlich verrückt, denn die nächste Eishalle steht in Südafrika – über 1.000 Kilometer entfernt. Also hat sich Axali vorerst auf Inlinehockey verlegt und das mit Erfolg. Im Sommer 2019 trat er für Namibia beim Afrika Cup an und wechselte zur Saison 2019/20 nach Frankreich um dort in der League Élite, der ersten Liga, für Artzak Anglet zu spielen. Wir haben uns mit ihm unterhalten und seine Geschichte festgehalten.

Namibia liegt im Südwesten Afrikas und grenzt an Südafrika im Süden, Botswana im Osten und Angola im Norden. Mit 824.116 Quadratkilometern ist das Land mehr als doppelt so groß wie Deutschland, hat aber gerade einmal 2,3 Millionen Einwohner. Der Name Namibia leitet sich von der Wüste Namib ab, die den gesamten Küstenraum des Landes einnimmt. Im Osten erstreckt sich die Kalahari. Insgesamt klingt die Beschreibung nicht nach Eishockey. Dennoch hat Axali den Wunsch, Eishockey zu spielen – auch wenn derzeit nur Inlinehockey möglich ist.

„Wir haben bei uns in der Hauptstadt Windhoek einen Inlinehockey-Rink und so bin ich schon als Kind damit in Berührung gekommen. Im Internet habe ich jedoch viel Eishockey bei Youtube gesehen und war davon begeistert. Die Geschwindigkeit und die Härte des Spiels sind faszinierend“, erklärte Axali seine Begeisterung für den Sport. Eine Eishalle existiert in Namibia jedoch nicht. Die nächste Eisfläche steht in Johannisburg, Südafrika, und ist mehr als 1.300 Kilometer entfernt. Vor ein paar Jahren machte sich Axali dennoch auf den Weg und spielte drei Wochen mit den Kempton Park Wildcats in Johannisburg. Und auch sonst nutzt der Stürmer jede Gelegenheit, um aufs Eis zu kommen: „Wenn ich irgendwo bin, wo eine Eishalle in der Nähe ist, bin ich auch dort“.

Eine Einladung aus Bad Nauheim nahm de 23-Jährige gerne an und ist noch immer begeistert von den Erfahrungen im Colonel Knight Stadion. „Es war ein unglaublicher Trip. Ich habe es genossen, in der Eishalle zu sein, die Kabine der Profis im Stadion zu sehen und mit der DNL-Mannschaft aufs Eis zu dürfen. Das war ein Traum! Ich habe mir im Stadion die Spiele der Profis angeschaut und die Atmosphäre aufgesogen. Die deutschen Fans sind einfach unglaublich. Es ist so unfassbar laut! Wenn ich nicht im Stadion war habe ich stundenlang darauf gewartet, um bei SPORT1 die Spiele der DEL zu sehen. Vor allem habe ich mich auf Frank Mauer von Red Bull München gefreut.“

Seine Freunde halten ihn indes für ein bisschen verrückt: „Meine Kumpels und Bekannten finden es schon eigenartig, dass ich unbedingt Eishockey spielen möchte. Vor allem, weil wir nicht einmal eine Eishalle haben. Sie stellen dann fragen wie ‚Wie fühlt sich das Eis denn an?‘, ‚Wie läuft man eigentlich darauf?‘ oder ‚Fällt man da nicht hin?‘. Wenn ich ihnen dann Videos vom Spiel zeige inklusive Kämpfen und Checks halten sie mich für komplett verrückt. Das ist ihnen dann zu schnell und zu hart.“

Die Red Bulls aus der DEL sind sein Lieblingsteam aus der DEL, aber dem Eishockey und speziell den Münchnern zu folgen, war nicht immer einfach für ihn: „In Namibia kommt kein Eishockey im Fernsehen. Ich habe immer versucht, Streams zu schauen, was jedoch mit hohen Kosten verbunden ist, oder habe mir Schnipsel bei Instagram oder Youtube angeschaut. Jetzt kann ich aber der DEL folgen. Die DEL hat mir geholfen, damit ich Magenta Sport hier schauen kann.“ Inzwischen ist auch ESPN für ihn empfangbar und so kann Axali auch der NHL folgen.

Aber nicht nur Eis ist Mangelware in Namibia. Auch, an die Ausrüstung zu kommen ist nicht immer einfach. „Wir haben hier einen kleinen Laden, wo ich Ausrüstung bekomme, aber die Auswahl ist nicht sonderlich groß. Daher bestellen ich das meiste online“, erklärte Axali. Trotz aller Widrigkeiten verfolgt der Spieler aus Windhoek weiterhin das Ziel, Eishockey zu spielen: „Natürlich ist es mein Traum, Eishockey als Profi zu spielen – und das so weit oben wie möglich. Ich wäre gerne ein Botschafter des Spiels für mein Land und für alle Kinder auf dieser Welt, die gerne trotz schwieriger Umstände Eishockeyprofi werden wollen.“ Einen etwas kleineren Traum hat der junge Mann aber auch: „Ich würde sehr gerne mal Red Bull München und Frank Mauer live sehen.“

Zum Abschluss sagte Axali: „Ich kenne das Spiel und glaube an harte Arbeit. Ich bin bereit für mein Ziel zu kämpfen und die Herausforderungen, die mir begegnen werden, anzunehmen. Ich werde alles geben, um mein Ziel zu erreichen.“

Und vielleicht klappt es ja mit einer Karriere auf dem Eis. Aktuell laufen Gespräche mit einem Club aus Großbritannien. Wir wünschen Axali alles Gute und drücken die Daumen.