Playoff-Halbfinale

28. April 2021

Enge Serien, Comebacks und Showdowns in Spiel drei

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion

Gute Chancen für die Auswärtsteams / Keine Panik nach Spiel eins

Die Halbfinalserien in der PENNY DEL sind in vollem Gange, schon Mittwochabend könnte mit Ingolstadt der erste Finalteilnehmer feststehen. Überhaupt zählen die Schanzer zu den erfahrensten Teams der Liga in Bezug auf „Best of Three“-Serien. Bereits fünf Mal stand Ingolstadt in einer solchen Konstellation, drei Mal stand am Ende der Einzug in die nächste Runde.

Aber auch der aktuelle Gegner aus Berlin ist mit diesem Modus vertraut, die Eisbären absolvierten bislang ebenfalls fünf „Best of Three“-Serien in der Historie. Auch die Hauptstädter setzten sich am Ende bisher schon drei Mal durch. Und mit Rückständen nach Spiel eins hat Berlin nicht zuletzt seit dem Viertelfinale Erfahrung.

Auffällig zudem: Einen Heimvorteil gibt es in solch kurzen Serien nicht, auch in diesen Playoffs hatte wieder zwei Mal der Gast das bessere Ende für sich. Ingolstadt stahl gleich Spiel eins in München und machte zu Hause den Deckel drauf, Wolfsburg beendete die Saison an der Nordsee der dort beheimateten Fischtown Pinguins Bremerhaven. Und das, nachdem Spiel eins an der Küste verloren ging – allerdings nur ein Comeback von gleich mehreren, wie ein Blick auf die letzten Tage beweist.

Großer Druck auf Seiten der Gastgeber

Insgesamt wurden bis heute schon 28 Serien „Best of Three“ gespielt. Als besser platziertes Team startet bekanntlich der vermeintliche Favorit mit einem Heimspiel und hat damit bessere Karten für den Einzug in die nächste Runde. Sollte man meinen. Denn die Zahlen verraten etwas anderes: Bislang gewann nämlich nur 14 Mal die Mannschaft mit Heimrecht so eine Serie, 14 Mal triumphierte das Auswärtsteam.

Der Druck in solch einer Konstellation liegt wohl tatsächlich ganz klar beim Gastgeber, der bei einer Niederlage zum Auftakt sofort mit dem Rücken zur Wand steht. Das ist zwar eine oft zitierte Floskel, allerdings mit einem tatsächlich hohen Wahrheitsgehalt. Der Underdog, der häufig bis vor Kurzem noch um den Playoff-Einzug kämpfen musste und dementsprechend seit Wochen unter Strom steht, hat nichts zu verlieren und kann befreit aufspielen.

Das Heimteam hingegen, das oft bereits seit längerer Zeit auf den Start der Endrunde hinfiebert, muss auf einmal den Schalter umlegen und wird nicht selten kalt erwischt. Oft ist es dann auch schon zu spät. Denn in so einer kurzen Serie bleibt kaum Zeit, um Fehler zu korrigieren. Das musste nicht zuletzt Red Bull München erfahren. In der aktuellen, aufgrund der Umstände und fehlender Heimspielatmosphäre, ohnehin besonderen Spielzeit kommt dieser Faktor noch mehr zum Tragen. Sowohl Ingolstadt als auch Wolfsburg sorgten für das frühe Saisonaus der Heimmannschaften, die Panther stehen nach dem Auswärtssieg zum Halbfinalauftakt bei den Eisbären nun schon wieder mit einem Bein im Finale.

Berlin und Mannheim dagegen gaben im Viertelfinale ihren Heimvorteil zunächst ab, beide brauchten Comebacks und einen ganz langen Atem für das Weiterkommen. Mit den Grizzlys Wolfsburg drehte gleich noch eine dritte Mannschaft die Serie im Viertelfinale um. Überhaupt sind die Niedersachsen in ihren bisherigen vier „Best of Three“-Vergleichen noch ungeschlagen.

Playoff-Zeit ist Comeback-Zeit

Ist der erste Erfolg unter Dach und Fach, ist die Erleichterung beim Sieger spürbar. Der Start in die Serie ist geglückt, der Playoff-Modus scheint gefunden. Die Gefahr, am Ende dennoch mit leeren Händen dazustehen, ist allerdings verhältnismäßig groß. Denn schon zehn Mal wurde eine „Best of Three“-Serie noch umgedreht. Zuletzt schafften das wie bereits erwähnt Mannheim, Berlin und Wolfsburg.

In sechs dieser Vergleiche brachte am Ende dann aber doch der Gastgeber die Serie ins Ziel. Überhaupt gingen von 28 Serien nur 14 glatt mit zwei Siegen aus, 14 Mal kam es zum Showdown in Spiel drei. Die Zeit der großen Comebacks zieht sich bislang auch durch die einzelnen Spiele. Zur Erinnerung: Berlin musste in Spiel drei gegen Iserlohn einem Zwei-Tore-Rückstand nach dem ersten Drittel hinterherlaufen, letztendlich zündeten die Eisbären gerade noch rechtzeitig ihren Offensiv-Motor.

Noch mehr zittern musste Mannheim. Die Adler lagen bis zehn Minuten vor dem Ende sogar mit drei Toren zurück. Erst Trainer Pavel Gross, der neun Minuten vor Schluss alles auf eine Karte setzte und den Torhüter zog, löste mit diesem gewagten Move den Knoten. Die Kurzpfälzer liefen heiß und retteten sich mit einer beeindruckenden Schlussoffensive in die Overtime, am Ende stand das Siegtor. Auch Wolfsburg stand im Viertelfinale bereits auf der Kippe, nach der Pleite in Spiel eins lagen die Grizzlys auch in Spiel zwei zwischenzeitlich zurück. Erst danach drehten die VW-Städter so richtig auf.

Und auch Ingolstadt sah sich im Viertelfinal-Heimspiel bereits mit einer Niederlage konfrontiert. Die Schanzer holten aber in den letzten Minuten noch zwei Treffer auf und belohnten sich ebenfalls in der Verlängerung. Im ersten Halbfinale kassierte das Team wieder einen frühen Rückstand, ehe Louis-Marc Aubry die Partie mit einem Hattrick drehen konnte. Ein weiterer Beweis für die enorme Ausgeglichenheit: In den aktuellen Playoffs gab es erst drei Siege mit mehr als zwei Toren Unterschied.