Finale

05. Mai 2021

Entscheidung oder Showdown: Eisbären zu Gast in Wolfsburg

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion

Torhüter im Blickpunkt / Defensive trifft auf Powerhouse / Mentale Stärke gefordert / Live bei MagentaSport und SPORT1

Matchpuck für die Grizzlys Wolfsburg – am Mittwochabend könnte die aufgrund von Corona ganz spezielle Saison 2020/21 in der PENNY DEL Geschichte sein. Mit einem Heimsieg gegen die Eisbären Berlin wollen die Niedersachsen für den ganz großen Coup sorgen und die erste Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte nach Wolfsburg holen. Der erste Puck fällt um 19:30 Uhr. MagentaSport und SPORT1 sind live dabei.

Bereits drei Mal standen die VW-Städter in den vergangenen zehn Spielzeiten im Finale, doch sowohl 2011 im Duell mit den Eisbären als auch 2016 und 2017 jeweils gegen Red Bull München reichte es am Ende nicht. Bis heute warten die Grizzlys zudem auf einen Heimsieg in einer Finalserie. Den will Berlin auch weiterhin mit aller Macht verhindern. Und mit Druck können die Eisbären umgehen. Denn sowohl im Viertelfinale als auch in der Halbfinalserie standen die Hauptstädter nach Niederlagen in Spiel eins ebenfalls mit dem Rücken zur Wand, ehe die Mannschaft von Trainer Serge Aubin das Blatt noch wenden konnte.

Besonders die Torhüter stehen auch in Finalspiel 2 im Fokus, taktische Komponenten kommen hinzu. Wer macht weniger Fehler und wer hat seine Emotionen besser im Griff? Auch auf diese Fragen werden beide Mannschaften eine Antwort geben.

Großer Rückhalt auf beiden Seiten

Dustin Strahlmeier gegen Mathias Niederberger – das Finale ist auch ein Vergleich von zwei deutschen Top-Torhütern. Beide Keeper waren für ihr Team ein absoluter Garant auf dem Weg in die Endspiele, einer von beiden wird sich spätestens am kommenden Freitag erstmals in der Karriere als Meistergoalie bezeichnen dürfen. Bislang scheint es, dass Strahlmeier ein Stück weit die Nase vorn hat. Der 28-Jährige hatte mit einem Gegentorschnitt von 2,1 und einer Fangquote von 92,3 Prozent bereits in der Hauptrunde hervorragende Werte.

In den Playoffs konnte der gebürtige Gelsenkirchener in seiner ersten Spielzeit in Wolfsburg seine Leistungen noch einmal nach oben schrauben. Strahlmeier kassiert bislang nur 1,88 Gegentore pro Partie, 93,3 Prozent aller Schüsse auf seinen Kasten wehrt er ab. Sollte Wolfsburg die Serie tatsächlich siegreich beenden, wäre der Keeper auch ein Favorit auf den Titel des MVP der Finalserie.

Die Zahlen von Niederberger, der in der Hauptrunde auf eine fast identische Statistik wie sein Gegenüber kommt, gingen dagegen in der Endrunde etwas nach unten. Was seine Leistungen keinesfalls schmälern soll, die Nummer eins der Eisbären zeigte auch in den Playoffs bereits mehrfach seine Extraklasse. Allerdings ist das Spielsystem in der Hauptstadt ein anderes als in Niedersachsen und anfälliger für gegnerische Konter.

Duell zweier taktischer Gegensätze

Das Erfolgsrezept aus der Wolfsburger Hauptrunde hat Head Coach Pat Cortina mit seiner Mannschaft in den vergangenen Wochen perfektioniert. An der extrem gut gestaffelten Defensive bissen sich erst Bremerhaven und Mannheim die Zähne aus, auch den Eisbären ist in dieser Saison noch keine effektive Lösung eingefallen. Berlin verlor nicht nur Spiel eins, sondern auch alle vier Vergleiche gegen Wolfsburg in der Vorrunde. Das schnelle Konterspiel der Grizzlys samt effektiver Chancenverwertung funktioniert bestens, bei Scheibenverlust geht es dagegen genauso fix in die defensive Grundordnung zurück.

Angeführt von Julian Melchiori und Jeff Likens halten die Niedersachsen die eigene Zone eng, vor dem eigenen Tor wird konsequent aufgeräumt. Das offensive Powerhouse der Berliner tut sich damit schwer. Die Hauptstädter müssen am Mittwoch viel mehr Schlittschuh laufen als in Spiel eins, auch in das eigene Powerplay muss deutlich mehr Bewegung rein, wie auch Stürmer der Saison Marcel Noebels nach Finale 1 bei MagentaSport im Interview sagte.

Nur so lässt sich dieser Abwehrriegel knacken und nur so kann für Chaos vor dem gegnerischen Tor gesorgt werden. Bei freier Sicht hat Strahlmeier zu leichtes Spiel. Aufgrund der individuellen Qualitäten werden sich dann früher oder später Räume ergeben, die zum Erfolg führen können. Das ist zwar ein Geduldsspiel, allerdings wohl auch der einzige Schlüssel zum Erfolg.

Erinnerung an positive Momente

Beide Mannschaften haben eine Menge Eishockey in kürzester Zeit in den Knochen. Der zusätzliche freie Tag am Dienstag wird allen Spielern geholfen haben, um zu relaxen und noch einmal den Fokus neu zu justieren. Schließlich steht eine Menge auf dem Spiel. Beide Teams wissen: Es wird wohl nie wieder so „leicht“ sein, einen Meistertitel zu holen. Schließlich reichen dafür insgesamt sechs Siege. Die Grizzlys werden sich daran erinnern, dass sie noch nie eine „Best of Three“-Serie verloren haben.

Und die Overtime zählt zu den ganz großen Stärken – alleine in den aktuellen Playoffs gewann Wolfsburg schon drei Spiele in der Verlängerung. Das gibt definitiv ein gutes Gefühl und eine Menge Selbstvertrauen. Neu ist allerdings, dass das Team mit einer Führung im Rücken in Spiel zwei einer Finalserie geht. Das große Ziel ist zum Greifen nah, der Kopf und die mentale Stärke spielen deshalb womöglich eine größere Rolle. Das gilt zweifelsfrei genauso für Berlin. Allerdings sind es die Eisbären inzwischen gewohnt, mit Rückständen in solch kurzen Serien umzugehen. Und bislang hat die Mannschaft immer einen Weg gefunden, um selbst Rückschläge während einer Partie wegzustecken. Doch auch die Hauptstädter wissen, dass sowas nicht immer gut gehen wird.

Festzuhalten bleibt: Große Spiele und Titel gewinnt im Sport in der Regel oft die Mannschaft, die aktiv und mutig ist. Nur passiv abzuwarten und auf Fehler des Gegners zu lauern, ist in der Regel kein vielversprechendes Erfolgsrezept. Wohl auch am Mittwoch nicht. Spannung ist garantiert – so oder so.