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Philip Gogulla: Der Mann für die besonderen Tore entschied u.a. das längste DEL-Spiel aller Zeiten

Geschichten aus 20 Jahren DEL

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion

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Unser Appetit-Happen heute: Philip Gogulla, der Mann für die besonderen Tore.

Er ist der Mann für die besonderen Tore: Philip Gogulla hat in jüngerer Vergangenheit auffällig viele Spiele seiner Kölner Haie und auch des Nationalteams entschieden – darunter an Ostern 2008 das mit 168 Minuten und 16 Sekunden längste Spiel, das in der DEL je stattgefunden hat.

„Kamil Piros bekommt die Scheibe außen, spielt sie mir rüber und ich kann allein aufs Tor laufen. Ich hab ihn dann auf der kurzen Seite oben versenkt. Ich war so erleichtert, unglaublich froh. Ich hätte vor Freude auch weinen können, weil es so ein besonderer Moment war, dieses Spiel zu entscheiden. Andreas Renz kam mir jubelnd auf den Knien entgegen gerutscht. Ich habe ihn ausgelassen, bin an ihm vorbei gerannt zur Strafbank. Ich war so aufgeladen von Adrenalin. Ich habe nochmal so einen brutalen Schub gekommen, ich hätte noch mal ein Spiel spielen können.“ (Philip Gogulla)

Der Bus der Kölner Haie rollt durch die Nacht von Mannheim nach Köln. Einige dösen, andere diskutieren noch das Spiel vom Abend, das verloren gegangen ist. 1:1 steht die Serie im Viertelfinale 2008, am Samstagnachmittag wird man sich in Köln wieder sehen. Die Profis spulen Playoff-Alltag ab: Reisen, spielen, essen, erholen, spielen und wieder von vorn. Ab und zu ein Blick nach links und rechts: Was machen die anderen? Wie steht´s in den übrigen Serien? Ein Ergebnis lässt an diesem Abend lange auf sich warten, und selbst im Bus der Haie kommt Spannung auf unter den müden Spielern. Iserlohn gegen Frankfurt läuft und läuft, Verlängerung, noch eine Verlängerung, und noch eine. Dann fällt ein Tor für die Roosters, und die Deutsche Eishockey Liga hat einen Rekord für ein neues längstes Spiel. 117 Minuten, 44 Sekunden. Es ist schon die zweite Bestmarke in diesen Playoffs. Sie wird auch im Kölner Bus registriert. „Alle sagten Wow - drei Verlängerungen. Aber keiner hat daran gedacht, dass uns das auch passieren könnte“, sagt Haie-Stürmer Philip Gogulla. Er konnte nicht ahnen: Iserlohn war ja noch gar nichts. Der längste Tag würde noch kommen.

Vielleicht konnte man es doch ahnen. Vor der Saison 2007/08 hat die DEL den Modus für die Playoffs geändert. Vorher galt, dass nur Playoff-Spiele, die die Serie beenden können, bis zum entscheidenden Tor verlängert werden, und ansonsten nach einer Verlängerung ein Penaltyschießen folgt. Seit jener Saison wird jede Playoff-Partie bis zum schönen Ende für die einen und dem bitteren für die anderen verlängert. Große Beachtung hatte man dieser Neuerung während der Saison gar nicht geschenkt. Aber das Schicksal will es, dass es gleich beim ersten Mal zu mehreren Mammutpartien kommt und am Ende über Sinn, Unsinn und sogar Gefahren der neuen Regel diskutiert wird.

Köln, 22. März 2008, Ostersamstag. 16865 Zuschauer sind in die Lanxess-Arena gekommen. Das Spiel, das dritte der best-of-seven-Serie, ist für 17.30 Uhr angesetzt. Eine gute Zeit für Familien mit kleinen Kindern.

Zunächst ist alles wie immer – das Warm-up, die Pre-Game-Show in der Halle. (…)

(…)In den Katakomben der Arena wird es bald hektisch. Nach zwei Verlängerungen geht den Mannschaften die Verpflegung für die Pausen aus. 20 ausgepumpte Männer pro Team brauchen Zucker. „Fressen, fressen, fressen“, fordert KEC-Physiotherapeut Carsten Fiedler die Spieler auf. Die Betreuer plündern erst die Vorräte in der Lanxess-Arena. Kuchen, Bananen, Schokoriegel, Cola. Haie-Prokurist Bernd Meikis radelt die 200 Meter zur Trainingshalle, um Nachschub aus der Sportsbar zu holen. KEC-Geschäftsführer Thomas Eichin schickt den Praktikanten mit dem Auto zur Tankstelle an der Deutz-Kalker-Straße und lässt alles Schokozeug aufkaufen. Die Gegner rücken zusammen, die Kölner geben den Gästen etwas ab.

Auf den Rängen schlafen die kleinen Kinder in den Armen der Eltern ein. Die ersten wandern ab. In der Arena läuft das Spiel weiter, jetzt ist es eine Schlacht im Grenzbereich. „Nach der vierten. fünften Verlängerung war der Körper einfach müde. Da überlegst du dir in der Pause zwei Mal, ob Du die paar Schritte zum Tisch gehst, um etwas zu essen zu holen. Da hat man dann den Betreuer gerufen“, sagt Gogulla. Die Trainer können nichts mehr tun, außer anzufeuern: „Ich war nur noch Cheerleader“, sagt Kölns Coach Doug Mason hinterher.

Auch die fünfte Verlängerung bringt keine Entscheidung. Mannheims Abwehrriese Jeff Shantz bricht auf der Bank zusammen. Später, unter der Dusche, müssen ihn die Teamkollegen immer noch stützen. Alle sind am Anschlag, im Lift trifft Eichin eine kreidebleiche Aufzugführerin, die seit Stunden nichts mehr getrunken hat. Am Web-Radio der Adler kommentieren Matthias Fries und Antti Soramies seit fünf Stunden live durch.

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