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17. März 2021

München: Vertrauen in die eigene Stärke

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion

Kompaktheit in der defensiven Zone verbessert / Schütz macht den nächsten Schritt / Powerplay ein wichtiger Faktor

Mit zwölf Punkten Rückstand auf Tabellenführer Mannheim geht der EHC Red Bull München in die kommenden Duelle mit den Teams der Gruppe Nord. Sieben Niederlagen aus acht Spielen gegen die Adler und den drittplatzierten ERC Ingolstadt sind tatsächlich auf den ersten Blick ernüchternd. Zu selten gelang es der Mannschaft von Trainer Don Jackson, der inzwischen bei 600 Siegen in der PENNY DEL steht, die Höchstleistung gegen die beiden anderen Schwergewichte der Gruppe Süd abzurufen.

Aber: Die letzten Vergleiche sowie die jüngsten Entwicklungen geben Anlass für Optimismus. Ingolstadt wurde auswärts klar bezwungen, in beiden Spielen gegen Mannheim waren die Red Bulls zuletzt dran und über weite Strecken auf Augenhöhe. Außerdem kehrten einige Langzeitverletzte, wie Konrad Abeltshauser kürzlich zurück. Derek Roy ist ebenso wieder fit und steht zur Verfügung. Abeltshauser erzielte am Dienstagabend gegen Schwenningen bei seinem Comeback gleich den Siegtreffer, mit Mathew Maione feierte ein weiterer Defender im selben Spiel einen gelungenen Einstand in der PENNY DEL. Und auch die Defensive präsentierte sich in letzter Zeit deutlich stabiler.

Ohnehin denkt man in München schon einige Wochen weiter. „Natürlich willst du auch in der regulären Saison die Mannschaften schlagen, die oben mit uns mitspielen. Aber im Endeffekt kommt es dann auch erst auf die Playoffs drauf an“, sagt Justin Schütz. Der 20-Jährige ist aktuell in bestechender Form und zählt zu den Aktivposten in der stärksten Offensive der Gruppe Süd. Nach einigen Tagen Pause wollen die Münchner jetzt ihre beste Form finden.

Kompaktheit in der defensiven Zone verbessert

Über weite Strecken der Hauptrunde gab es bislang große Lücken in der Abwehr. Gerade in den Heimspielen spielten die Red Bulls mitunter zu sorglos mit viel Risiko und ließen den gegnerischen Angreifern zu viel Platz. Ein Mal gab es fünf Gegentore, sogar drei Mal fing sich München gleich sechs Stück. Fast drei Gegentreffer im Schnitt sind ungewöhnlich viele für eine Defensive, die in den vergangenen Jahren nur schwer zu knacken war. Und die in dieser Spielzeit mit vielen Umstellungen zu kämpfen hat. Die beiden Youngster Luca Zitterbart und Nicolas Appendino verletzten sich nach nur drei Einsätzen schwer, Abeltshauser war aufgrund einer Verletzung ebenfalls lange Zeit raus. Und auch Keith Aulie fehlt inzwischen seit einigen Wochen. Mit Ethan Prow, der voll eingeschlagen hat, kam immerhin hochkarätiger Ersatz. Und doch herrschte oft Personalnot, so dass phasenweise die etatmäßigen Angreifer Maximilian Kastner und Maximilian Daubner in die Abwehr beordert wurden. Neuzugang Mathew Maione dürfte dem Notstand weiter Abhilfe schaffen und seinen Platz in der Hintermannschaft sofort finden. Zudem lief es seit Ende Februar deutlich besser, die Isarstädter verteidigten wesentlich kompakter und ließen nur wenig zu. Nur in einem Spiel gab es mehr als zwei Gegentore. „Wir haben nichts geändert, wir haben es nur viel besser umgesetzt. Darauf können wir auf jeden Fall aufbauen“, ist Schütz mit der verbesserten Defensivleistung zufrieden. Der offensive Motor läuft sowieso zu großen Teilen auf Hochtouren, Torchancen gibt es regelmäßig genug.

Schütz macht den nächsten Schritt

Daran hat auch der gebürtige Kasseler, der in den letzten Wochen zwischen Frank Mauer und Philip Gogulla stark aufspielte, einen großen Anteil. Die Reihe funktioniert im Moment bestens und liefert konstant offensive Zahlen. Der zum Mittelstürmer umfunktionierte Schütz passt gut zu den beiden erfahrenen Außen und hat sich gegenüber dem letzten Jahr weiterentwickelt. Dabei begann der 1,81 Meter große Angreifer die Saison in Salzburg in der EBEL, ehe er im Januar zurück nach München berufen wurde. „Die Zeit in Salzburg hat mir sehr geholfen. Ich hatte viele Einzelmeetings mit Matt (McIlvane) und habe viel gespielt. Der Sprung zurück in die PENNY DEL war dann schon groß, da habe ich etwas gebraucht. Aber jetzt mit dem Franky und dem Gogi funktioniert es sehr gut.“ Bislang steht Schütz, der 2018 von den Florida Panthers gedraftet wurde, bei sechs Toren und sechs Vorlagen. Eine Statistik, die er in den Spielen gegen die Gruppe Nord weiter ausbauen will. Vor allem auf die Duelle gegen die Eisbären freut er sich schon jetzt. „Berlin ist dieses Jahr ein richtig gutes Team, ich habe die letzten Spiele ein bisschen verfolgt. Und ich kenne da auch ein paar Jungs. Und ich freue mich auf die Spiele gegen Iserlohn, weil ich ja auch Vergangenheit dort habe und mit Taro Jentzsch ein guter Freund von mir da spielt.“

Powerplay ein wichtiger Faktor

Ein effektives Überzahlspiel ist besonders für einen langen Playoff-Run extrem hilfreich, wo Special Teams die engen Spiele entscheiden. In dieser Statistik ist bei den Red Bulls noch mächtig Sand im Getriebe, zu langsam und statisch agiert die Mannschaft häufig in numerischer Überlegenheit. Und das trotz spielstarker Akteure wie Mark Voakes, Chris Bourque oder Zach Redmond. Eine Erfolgsquote von gut 15 Prozent ist zu wenig, mit Spielern dieser Klasse muss einfach mehr Ertrag möglich sein. Doch auch hier gab es zuletzt eine ansteigende Tendenz, den wichtigen 5:2-Erfolg in Ingolstadt verdiente sich München auch dank eines bärenstarken Powerplays und drei blitzsauberen Treffern. Auch in Mannheim sah das Überzahlspiel besser aus, auch wenn die Durchschlagskraft fehlte. „Natürlich haben wir ein bisschen mehr Wert auf das Powerplay gelegt. Die Jungs versuchen im Training neue Plays herauszufinden und ich hoffe, dass das jetzt weiter funktioniert“, weiß auch Schütz um die Bedeutung.

An der Isar hat man also die bisherigen Schwächen erkannt und noch bleibt genug Zeit, daran zu arbeiten. Dass das Team in Bestbesetzung jede Mannschaft schlagen kann, dürfte klar sein. Umso wichtiger wird es nun sein, Spiel für Spiel die Top-Form zu erreichen. Mit Don Jackson steht bekanntlich ein Meister seines Fachs an der Bande, der darauf in den Trainingseinheiten gezielt hinarbeitet. Dadurch, dass in den Playoffs im Best-of-three-Modus gespielt wird, ist ein Ausrutscher in der Endrunde tabu. „Dann bist du direkt mal vor dem Aus. Da kannst du dir keinen schlechten Tag erlauben“, weiß auch Schütz. „Wir hoffen, dass wir in den nächsten Spielen ein gutes Gefühl für die Playoffs kriegen. Ich denke, dass wir bis dahin auch nochmal besser werden.“