Interview

10. November 2022

„Ohne die U23-Regel wäre das nicht möglich gewesen“

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion

Nachwuchskoordinator Uli Liebsch im Interview / 100 Spieler aus eigenen Nachwuchsvereinen spielen in PENNY DEL

Deutschland Cup-Pause im Oberhaus. Uli Liebsch, Nachwuchskoordinator der PENNY DEL, spricht über die Erfolge der Spielerentwicklung im Nachwuchs und sagt: „Ohne die U23-Regel wäre das, was wir erreicht haben, niemals möglich gewesen.“

 Uli, eine immer wieder sehr gerne genutzte Frage im deutschen Eishockey lautet: Wie steht es um den Nachwuchs? Also, Hand aufs Herz. Wie sieht es aus deiner Sicht aktuell aus?

Liebsch: Es sieht gut aus. Was zugleich bedeutet, dass wir niemals zufrieden sein wollen und uns auch nicht ausruhen werden. Doch die Zahlen zeigen ganz eindeutig, dass sich die Arbeit im Nachwuchs auszahlt.

 Kann man beziffern, wie viele Spiele aus den eigenen Nachwuchsvereinen der Clubs den Sprung in die PENNY DEL geschafft haben?

Liebsch: Im Zeitraum 2016 bis 2021 haben 77 Nachwuchsspieler aus den Nachwuchsvereinen den dauerhaften Sprung, sprich 100 oder mehr DEL-Spiele, in die höchste Spielklasse geschafft. 62 Spieler spielen aktuell noch in europäischen Topligen, 61 Spieler bei uns in der DEL und ein Spieler in der Schweiz. In der aktuellen Saison 2022/2023 werden voraussichtlich weitere 30 Nachwuchsspieler dazu kommen. Wir knacken damit also die Schallmauer von 100 Spielern. Das ist ein Ausrufezeichen!

Und ein Beleg für die Sinnhaftigkeit der U23-Regel?

Liebsch: Ohne jeden Zweifel. Ohne die U23-Regel wäre das Ergebnis definitiv so nicht möglich gewesen. Es war eine sehr richtungweisende Entscheidung für das gesamte deutsche Eishockey. 

Wie sehen die Maßnahmen zur Verbesserung der Spielerentwicklung im Nachwuchs konkret aus?

Liebsch: Dort gibt es mehrere Bausteine. Seit 2014 sind wir regelmäßig bei den Vereinen vor Ort. Dadurch konnte die Dichte der Betreuung stark verbessert werden. Auch, weil wir mit Herberts Vasiljevs seit der Saison 2018 eine zweite Vollzeitkraft in der Vereinsbetreuung haben. Wir machen bis zu 165 Vereinsbesuche pro Saison. Es gibt von uns Unterstützung der Vereinsführung bei der Umsetzung des 5-Sterne-Programms.

Wie ist der Status beim 5 Sterne-Programm?

Liebsch: Aktuell sind 8 der 15 PENNY DEL Nachwuchsstandorte 5-Sterne Vereine. Wir arbeiten gemeinsam mit den Clubs daran, dass die Quote noch besser wird. Der Jahrgang 2007 hat sich vor kurzem in Vergleichsspielen mit den Finnen sehr gut präsentiert. Finnland ist im Nachwuchs Weltspitze und wir konnten auf Augenhöhe spielen. Das ist ein Jahrgang, der das 5-Sterne Programm von Beginn durchlaufen hat.

Corona war für den gesamten Nachwuchssport ja bekanntlich eine Katastrophe. Wie sieht es bei den ganz Kleinen aktuell aus?

Liebsch: Die Anzahl der spielenden Kinder konnte vor Corona gesteigert werden, im U12 Bereich in den vergangenen drei Spielzeiten vor Corona, um 20%. Jetzt sind wir in der nächsten schwierigen Phase, denn durch den Krieg in der Ukraine sowie allen damit verbundenen Auswirkungen hat der Nachwuchs wieder stark zu kämpfen. Das ist ein riesen Problem. Und wir alle müssen noch lauter darauf hinweisen.

Die PENNY DEL Future Camps sind weiterhin fester Bestandteil im Eishockey-Kalender?

Liebsch: Absolut. Die beiden 4-tägigen Einladungscamps finden weiterhin getrennt für die Klubs aus dem Norden/Westen und dem Süden statt. Neben dem Sportlichen möchten wir auch Themen rund um Nachhaltigkeit stärker mit in den Ablauf nehmen, zum Beispiel Informationen für die Kids zu Ernährung und Diversität. Daran arbeiten wir aktuell, wie ein neues Programm inhaltlich aussieht.