PENNY DEL

20. April 2021

Playoff-Premiere 1981: „Der gesamte Ort hat mitgefiebert“

DEL Redaktion

Von DEL Redaktion

Die Premiere der Playoffs im deutschen Eishockey-Oberhaus / Auch damals alle Serien im Modus „Best of three“

Es ist soweit: Nach einer intensiven Hauptrunde starten am heutigen Dienstag acht Teams in die Playoffs der PENNY DEL. Auch wenn es in diesem Jahr keine vollen Hallen und stimmgewaltigen Atmosphären geben wird, ist die Vorfreude bei allen Beteiligten groß. Die letzten Monate sind vergessen und zählen nicht mehr, für alle Mannschaften geht es bei null los. Gespielt wird, anders als in den vergangenen Jahren, im Modus „Best of Three“.

Nur zwei Siege genügen zum Erreichen der nächsten Runde, sechs Siege zur Deutschen Meisterschaft. Gänzlich neu ist dieses Format nicht, liegt jedoch in der Geschichte schon sehr lange zurück. In der Saison 1980/81 wurde der Meister erstmals in einem Playoff-Modus ausgespielt, ebenfalls in einer „Best of Three“-Serie.

Eine Paarung stand dabei besonders im Fokus: Der SC Riessersee sicherte sich im Finale gegen die Düsseldorfer EG völlig überraschend seinen insgesamt zehnten und bis heute letzten Titel. Ernst Höfner, Stürmer der damaligen Garmischer Meistermannschaft, und der frühere DEG-Spieler Walter Köberle blicken noch einmal zurück.

Rot-Gelbes Heimspiel in Garmisch

Vor 40 Spielzeiten betrat die damalige Eishockey-Bundesliga absolutes Neuland. Wurden Titelträger und Absteiger in den Jahren zuvor über mehrere Runden ermittelt, wurden jetzt vom Viertelfinale an Playoffs gespielt. Die Liga orientierte sich damit an der NHL. Für die Profis war das eine enorme Umstellung. Sie waren es nicht gewohnt, in so kurzen Zeitabständen zu spielen. Die Spieltage wurden im Rhythmus Dienstag, Freitag, Sonntag angesetzt.

„Aber es war eine absolute Bereicherung für die Liga und für das Eishockey. Es kam eine neue Spannung rein, auch für die Fans. Und natürlich war es ein finanzieller Anreiz. Spiele zwischen Köln und Düsseldorf oder Rosenheim und Düsseldorf waren immer ein Highlight“, sagt Walter Köberle. Der inzwischen 72-jährige zählt zu den erfolgreichsten Spielern der Düsseldorfer Vereinsgeschichte und arbeitete später als Trainer und sportlicher Leiter. Im Finale 1981 ging Köberle jedoch leer aus und unterlag mit seiner DEG in Spiel drei mit 4:7 in Riessersee.

„Es war ein hartes Spiel. Ich habe eine 5-Minuten-Strafe bekommen, in der ein Tor gefallen ist. Ich weiß noch, dass ein Sonderzug nach Garmisch fuhr und Busse und Autos. Das war schon ein Highlight“, erinnert sich der gebürtige Kaufbeurer zurück. „Du meintest, du wärst in einem Heimspiel. Vorm Stadion waren nur DEG-Fans, das ist mir wirklich spektakulär in Erinnerung.“ Aber auch das Viertelfinale gegen Kaufbeuren ist Köberle noch im Gedächtnis.

„Einfach weil es mein Heimatverein ist.“ Die Rheinländer setzten sich damals in zwei torreichen Duellen deutlich mit 14:4 und 7:5 durch und schafften es im Anschluss über Mannheim bis ins Endspiel. Und die Kurpfälzer sind in diesem Jahr der große Favorit für den früheren Eishockeyprofi. „Ich wünsche es Don Jackson. Aber rein sportlich gesehen, glaube ich, dass es Mannheim macht.“

Ein kleiner Ort im Ausnahmezustand

Enttäuschung auf der einen Seite, großer Jubel dagegen auf der anderen. Denn Ernst Höfner behielt damals im Finale mit seinem SC Riessersee die Oberhand. Der frühere Co-Trainer und heutige Nachwuchschef der DEB-Auswahl erzielte in der entscheidenden Partie sogar zwei Tore selbst. „Düsseldorf war eher technisch gut, wir waren kämpferisch noch einen Tick besser. Das hat damals, zusammen mit dem Heimvorteil, am Ende den Ausschlag gegeben. Da hat man die letzten Prozent noch rausgekitzelt und sich in einen Schuss geworfen.“

Ohnehin waren die Stadien zum damaligen Zeitpunkt so gebaut, dass die Zuschauer ganz nah an der Eisfläche waren. „Es war laut und voller Emotionen. Da war der Druck auf Schiedsrichter und Gegner nochmal höher“, erzählt Höfner. Oft wurden sogar mehr Fans in die Hallen gelassen, als eigentlich erlaubt. So auch in der entscheidenden Begegnung am 23. März 1981. Bis ins letzte Drittel hinein stand das Spiel auf der Kippe, ehe Garmisch mit einem Doppelschlag zu Beginn des Schlussabschnitts auf die Siegerstraße einbog.

Die Rheinländer kamen aber nochmal auf ein Tor ran, ehe Höfner mit seinem zweiten Treffer des Abends in der Schlussminute endgültig für die Entscheidung sorgte. „Es war eine wahnsinnige Stimmung, auch mit den Zuschauern auf dem Eis bei der Pokalübergabe. Das hatte eine extrem hohe Bedeutung. Der gesamte kleine Ort hat mitgefiebert. Es war eine Genugtuung und ein Erlebnis.“ 

Auch in der Folgesaison wurden die Playoffs nochmal im selben Format ausgetragen. Der SB Rosenheim schlug Mannheim im Finale mit 2:0 und holte damit seine erste Meisterschaft. In der Spielzeit 1982/83 wurde ab dem Halbfinale bereits „Best of Five“ gespielt.