Auf dem Sprung in die NHL: Noebels auf den Spuren von Ehrhoff
Nicht jeden seiner neuen Team-Kameraden kennt Marcel Noebels persönlich. Auch deshalb dauerte die obligate Begrüßungsrunde der Eishockey-Nationalmannschaft am Treffpunkt Flughafen München diesmal etwas länger. Von hier aus trat das Team des Deutschen Eishockey-Bundes e.V. (DEB) die Reise in Richtung Schweiz an, wo sich die Männer von Bundestrainer Pat Cortina am 26. (Langenthal) und 27. April (Rapperswil) bei zwei Länderspielen gegen die Eidgenossen den letzten Schliff für die 2013 IIHF Weltmeisterschaft in Finnland und Schweden (3.-19. Mai) holen.
Eigentlich ist es kaum verwunderlich, dass auch Noebels für viele seiner Teamkameraden eher ein unbeschriebenes Blatt ist. Denn der 21 Jahre alte Stürmer jagt dem Puck nicht in seinem Heimatland, sondern im Farmteam der Philadelphia Flyers, den Adirondack Phantoms in der American Hockey League (AHL), hinterher.
„Ich kenne Daniel Pietta, Benedikt Schopper und Patrick Hager, weil ich mit ihnen in Krefeld immer während der Vorbereitung der Krefeld Pinguine auf dem Eis gestanden habe. Und Marcel Müller kenne ich aus Berlin“, erklärt der gebürtige Krefelder, der in DEB-Kreisen indes schon lange ein bekanntes Gesicht ist. Seit der U16 hat der Außenstürmer alle Turniere bis zur U20 mitgemacht – und dabei immer bleibenden Eindruck hinterlassen.
Das konnte er auch in der laufenden Saison wieder unter Beweis stellen. Nach überragenden Leistungen in der ECHL bei den Trenton Titans wurde Noebels ins Farmteam der Flyers berufen. In 43 Spielen gelangen ihm auf Anhieb 23 Scorer-Punkte, davon allein 13 Tore: Stolze Quote für einen Neuling. Vermutlich auch ein Grund, warum Pat Cortina den Linksschützen für die anstehenden Länderspiele in der Schweiz nachnominiert hat und nun testen will.
Erst am Dienstag war der Angreifer, aus Philadelphia kommend, in Düsseldorf gelandet. Nur 24 Stunden später stand er in Rapperswil beim Training auf dem Eis. Eine kleine Weltreise für Noebels, für den das Leben an verschiedenen Orten schon fast zur Normalität geworden ist. Im Schüleralter schon wechselte er von Krefeld nach Berlin, wo u.a. Michael Müller, Marcel Müllers Vater, sein Trainer war. Die Rückkehr nach Krefeld war nur kurz. Es ging zu den Jungadlern nach Mannheim. Die beiden Meisterschaften mit dem DNL-Team „waren meine bisherigen Highlights“, sagt Noebels.
Während andere junge deutsche Spieler aus dem Jugendbereich kommend in der DEL ihr Glück versuchen, wählte Noebels den „härteren“ Weg. Bereits mit 18 ging es über den großen Teich nach Nordamerika. Zwei Jahre lang biss er sich bei den Seattle Thunderbirds und Portland Winterhawks in der Juniorenliga WHL durch, ehe er nach Trenton wechselte und seit dieser Saison zum Stammpersonal des AHL-Clubs zählt. „Es war die richtig Entscheidung, nach Amerika zu gehen“, sagt Noebels, der einer von nur vier Importspielern bei den Adirondack Phantoms ist. Drei Schweden stehen ebenfalls im Kader.
Alle eint ein Ziel: Die NHL. Klar, dass da der interne Konkurrenzkampf zum täglichen Brot gehört. Noebels hat dies verinnerlicht. In seiner Mannschaft gehört er zu den besten sechs Stürmern, ist daher in höchstem Maße ambitioniert. Mit seinen 1,91 Metern bringt er jedenfalls beste Voraussetzungen mit, wie ihm zuletzt auch bestätigt wurde. „Erst vor ein paar Tagen hat mir das Management mitgeteilt, dass man mir den einen oder anderen NHL-Einsatz zum Ende der Saison geben wollte.“
Auf dieses Ziel, die NHL, wird er auch in den Sommermonaten hinarbeiten. In seiner Heimat nimmt er an den Einheiten der Pinguine teil, steht dann mit Cracks wie Christian Ehrhoff während der Vorbereitung auf dem Eis. Anfang September geht’s dann wieder zurück in die Staaten. Dort stehen die Camps auf dem Programm. NHL-Stars und AHL-Spieler geben sich dort die Klinke in die Hand. „Beim letzten Camp waren die Jungs aus der NHL auch mit dabei“, sagt Noebels und erinnert sich an einen ganz besonderen Moment: Zwei Trainingseinheiten mit Jaromir Jagr. Für jeden jungen Eishockeyspieler ein absoluter Traum.
Auch für Noebels natürlich, der daran arbeitet, dass es solche Momente in Zukunft noch öfter geben wird. Nicht nur im Training, sondern eines Tages bei einem Spiel in der NHL Seite an Seite mit den Stars spielen zu können, lautet das Ziel. So, wie sein Vorbild Christian Ehrhoff es vor Jahren vorgemacht hat. Sollte Noebels es schaffen, wäre Eishockey-Deutschland sicher stolz. In Noebels‘ Heimat erst recht. Denn dann gäbe es nach Ehrhoff sogar den zweiten NHL-Crack, der aus Krefeld kommt.