Neulinge profitieren von Routiniers

Zwei Spiele, zwei knappe Niederlagen, davon eine nach Penaltyschießen. Auf den ersten Blick war die Ausbeute der deutschen Nationalmannschaft nach dem Trip zur EURO HOCKEY CHALLENGE nach Weißrussland eher bescheiden. So ist das, wenn man verliert. Die nackten Zahlen lügen nicht. Und auch faktisch stimmt: In den beiden Vergleichen war das „Team Belarus“ jeweils den entscheidenden Tick besser. „Die Penaltyniederlage war unglücklich, das zweite Spiel haben wir dann schon verdient verloren“, resümierte beispielsweise Marcel Müller.

Klar ist auch: Sportlich gesehen steckt in der Mannschaft von Bundestrainer Pat Cortina sicherlich mehr Potenzial. In Phase eins der Vorbereitung allerdings konnte das freilich noch nicht abgerufen werden. Denn über die Hälfte der Spieler, die für den Kader der IIHF Eishockey Weltmeisterschaft in Finnland und Schweden in Frage kommen, sind derzeit noch im Playoff-Spielbetrieb der DEL aktiv. Erst in der kommenden Woche zu Phase zwei der Vorbereitung stoßen weitere Cracks der im Viertelfinale ausgeschiedenen Teams zur deutschen Auswahl.

Dennoch zeigte die junge Mannschaft, die in Weißrussland auf dem Eis stand, eine durchweg ordentliche Leistung. Mit Keeper Andreas Jenike, den Verteidigern Peter Lindlbauer; Benedikt Brückner, Patrick Seifert  sowie Stürmer Bernhard Keil standen gleich fünf Neulinge im Kader. Und die Jungspunde machten ihre Sache gut, gingen engagiert zur Sache und konnten so die erfahrenen Cracks wie Marcel Müller, Patrick Reimer, Eduard Lewandowski, Michael Wolf oder Thomas Greilinger unterstützen. „Das war schon super, mit solchen Leuten auf dem Eis zu stehen. Vor allen Dingen reden sie mit einem und geben wertvolle Tips“, meinte Lindlbauer, Verteidiger-Talent der Thomas Sabo Ice Tigers. Was, völlig losgelöst von den Resultaten, vermutlich die wichtigste Erkenntnis nach vier Tagen Weißrussland war.

Denn Fakt ist auch: Angesichts der fehlenden internationalen Erfahrung war gegen einen Gegner auf Augenhöhe tatsächlich nicht mehr zu erwarten. Einen Gegner, der den Großteil seiner Mannschaft bereits seit einigen Wochen beisammen hat und bei dem das Gros des Teams alleine aus acht Spielern von Dynamo Minsk besteht. Da ist die Abstimmung eben eine ganz andere. Wie auch Lindlbauer bestätigt: „Natürlich ist so etwas von Vorteil. Trotzdem will ich auch gewinnen, wenn ich auf dem Eis stehe. Daher wurmen mich die Ergebnisse schon ein wenig.“

Gelohnt hatte sich die Reise nach Weißrussland allemal. Der deutsche Tross konnte sich schon mal mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut machen, schließlich findet die IIHF Eishockey Weltmeisterschaft 2014 u.a. in Minsk statt. Land und Leute waren ebenso freundlich wie zuvorkommend, Minsk selber überragt innerstädtisch mit außergewöhnlicher Architektur, über die Minsk Arena mit ihren 15.000 Plätze ist ohnehin jeder Zweifel erhaben.

Besonders aber die Tatsache, dass der Mannschaftsbus von einer Polizei-Eskorte zu allen Trainingseinheiten sowie der zweistündigen Anfahrt nach Soligorsk begleitet wurde, beeindruckte nicht nur die jungen Spieler. Es hatte schon etwas von Staatsbesuch, wenn selbst der Gegenverkehr dem deutschen Mannschaftsbus weichen musste, während dieser gemütlich in der Straßenmitte sogar über rote Ampeln fahren durfte. Sehr zur Freude des Teams, das die Manöver des Busfahrers sichtlich genoss.

Nach der Rückkehr am Sonntag in Frankfurt verstreut sich das Team zunächst in alle Himmelsrichtungen. Bereits am Dienstag aber wird Phase zwei der Vorbereitung eingeläutet. In Regensburg bereiten sich die Nationalspieler auf die beiden Partien in Regensburg (12.4.) und Selb (13.4.) gegen Tschechien vor. Zum Team stoßen werden dann weitere erfahrene Spieler aus Hamburg, Mannheim und Ingolstadt. Und vielleicht darf auch der eine oder andere junge Akteur nochmal wiederkommen.

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