Sven Felski: \"In den Playoffs muss jeder seine Rolle kennen\"
Dass das Leben nach der Profikarriere weniger stressig geworden wäre, das kann Sven Felski nicht unbedingt behaupten. Klar, die langen Auswärtsreisen mit den Eisbären Berlin sind weggefallen. Genauso wie die täglichen Trainingseinheiten oder die Spielvorbereitungen. Aus Sicht des Sportlers ist der Aufwand natürlich weniger geworden. Trotzdem ist „Felle“ nach wie vor ein gefragter Mann und entsprechend viel unterwegs.
Neben dem gerade begonnenen Sportstudium tritt der „Bürgermeister von Hohenschönhausen“ auch als TV-Experte bei ServusTV auf. Am kommenden Sonntag wieder. Dann analysiert er die dritte Viertelfinal-Begegnung zwischen Köln und Straubing. Felski wäre am vergangenen Samstag eigentlich auch bei der 2. GALA DES DEUTSCHEN EISHOCKEYS in Augsburg gewesen. Ging nicht. Aus gutem Grund: Felski bekam am gleichen Abend in Berlin das „Goldene Band der Sportpresse“ verliehen. Es ist die älteste Sportauszeichnung Deutschlands. Besonders ist nicht nur die Tatsache, dort geehrt worden zu sein, sondern Felski ist nach Lenz Funk senior erst der 2. Eishockeyspieler überhaupt, der in diesem erlauchten Kreise von Persönlichkeiten wie Max Schmeling, Rudi Völler, Fritz Walter, Uwe Seeler, Katharina Witt, Claudia Pechstein oder Franz Beckenbauer vertreten ist.
Für del.org hat sich der Ex-Profi und sechsfache Deutsche Meister Zeit genommen, die heute beginnenden Viertelfinal-Begegnungen zu analysieren. Ganz im Tacheles-Stil durfte sich „Felle“ wieder einmal austoben.
Hallo Fans,
hier ist wieder euer „Felle“. Ok, klar, ich bin als ehemaliger Spieler zwar nicht mehr unter den „Tacheles“-Kolumnisten, habe dort ja auch meinen Rücktritt verkündet. Dennoch darf ich mich neben meinem gerade begonnenen Sportstudium auch der Tätigkeit als so genannter „Experte“ bei ServusTV widmen. Was mich natürlich sehr freut, denn so bleibe ich immer auf dem Laufenden, was in der Liga passiert. Und es ist mal interessant, die Dinge hinter den Kulissen zu betrachten. Als Spieler selber konzentriert man sich ja eher auf sich und den eigenen Club. Jetzt kann ich mich auch mal um die anderen Teams kümmern.
Bevor ich aber zu den hiesigen Playoffs komme, möchte ich schnell die besten Grüße nach Schweden schicken. Und zwar zu Alex Barta, der sich leider Gottes so schwer verletzt hat, dass für ihn nicht nur die Saison, sondern auch die WM gelaufen ist. Richtig bitter! Ich wünsche ihm eine schnelle Genesung. Typen wie den Alex brauchen wir einfach in Deutschland, besonders für die Nationalmannschaft. Also, mein Guter: Komm schnell wieder zurück aufs Eis! Dafür drücke ich dir beide Daumen.
So, kommen wir zur DEL. Es geht jetzt endlich richtig los. Die Spiele in der ersten Playoff-Runde haben ja schon mal Lust auf mehr gemacht. So kann es weitergehen. Und ich gehe davon aus, dass die Jungs auf dem Eis alle nochmal einen drauf legen werden.
Etwas Grundsätzliches vorweg: Alle Teams, die jetzt unter den letzten acht stehen, haben sich das auch verdient. Worauf aber wird es ankommen in den Playoffs? Ich bin der Meinung, dass alle Mannschaften über gute bis sehr gute Qualität im Kader verfügen. Aber deshalb alleine gewinnst du keine Titel. Den Titel holt sich das Team, welches den größten Charakter zeigt. Und das wird in den Playoffs offenbart. Welche Mannschaft schafft es, zum Beispiel Verletzungen oder Niederlagen am besten wegzustecken? Bedeutet: Wer ist auch da, wenn es besonders weh tut? Darauf wird es ankommen.
Natürlich drücke ich meinen Eisbären die Daumen. Kann ja vermutlich jeder verstehen. Beide sind in diesem Jahr ziemlich eng beieinander, was man an der Tabelle unschwer erkennen konnte. Wichtig ist vor allen Dingen, dass jetzt jeder Spieler seine Rolle kennt. Das bedeutet, man darf sich keine „Sonderaktionen“ erlauben, sondern sollte seinem Job nachgehen. Das ist das Allerwichtigste. Es kommt ja oft vor, dass Spieler es in den Playoffs besonders gut machen wollen und es dann übertreibt. Das ist ja auch gut gemeint, aber solche „Überdinger“ gehen in den meisten Fällen nach hinten los. Was ist noch wichtig? Ich denke, die Harmonie im Team muss stimmen. Und du brauchst Spieler, die eine Situation richtig einschätzen, Spieler, deren Körpersprache stimmt. Ganz einfach erklärt: Nach einer Niederlage dürfen die Köpfe nicht hängen. Bei einem Sieg sollte man auch nicht komplett euphorisch werden, denn das nächste Spiel kommt sofort. Die Eisbären haben genau solche Spieler in ihren Reihen, denn schließlich besitzt der Großteil der Mannschaft diese Erfahrung aus den letzten Jahren. Allgemein gesagt haben beide Mannschaften die Qualität im Kader, Hamburg hat wirklich viel dazu gelernt. Aber am Ende sehe ich meine Berliner im Halbfinale.
Interessant ist natürlich auch das Viertelfinale in Krefeld. Aber: Trotz der Tabellensituation nach der Hauptrunde – Krefeld war dritter, Ingolstadt sechster – würde ich die Panther als leichten Favoriten ausmachen. Der ERCI ist ein sehr unbequemer Gegner, besonders in den Playoffs. Die Pinguine sind eine Mannschaft, die hervorragende Einzelspieler in haben. Sie laufen gut und sind technisch stark. Nicht umsonst sind sie eigentlich schon fast sensationell auf dem dritten Platz gelandet. Aber in den Playoffs zählt vor allen Dingen der Wille eines Teams. Und der Kampf. Und da sehe ich Ingolstadt aufgrund ihrer Präsenz einfach besser aufgestellt. Wird interessant zu beobachten, wie dieses Viertelfinale ausgeht. Ich glaube, Ingolstadt setzt sich durch.
Die Serie Mannheim gegen Wolfsburg würde ich ähnlich bewerten wie die Krefeld - Ingolstadt-Serie. Mannheim ist kompakt und präsent, alleine durch die großen Jungs im Team, und besitzt auch die nötige Tiefe im Kader. Wolfsburg ist läuferisch und technisch stark. Vor allen Dingen spielen sie sehr diszipliniert. Es ist schon wirklich toll, was Trainer Pavel Gross immer wieder aus seiner Mannschaft rausholt, nämlich das Optimum. Alleine schon der Sprung unter die letzten 10 am letzten Spieltag beweist den Charakter eines Teams, das quasi die ganze Saison auf dem vorletzten Tabellenplatz gedümpelt ist. Allerdings glaube ich, dass die Adler am Ende als Sieger aus der Serie herausgehen.
Köln gegen Straubing ist ebenfalls eine spannende Angelegenheit. Die Tigers, das weiß man ja schon lange, kommen über den Kampf und ihren Willen. Besonders am Straubinger Pulverturm erwartet die Haie ein permanenter Hexenkessel. Nicht einfach, da zu bestehen. Das wird für die Mannschaft von Haie-Trainer Uwe Krupp keine leichte Aufgabe. Trotzdem traue ich eher dem KEC das Weiterkommen zu. Sie spielen in meinen Augen das bessere Eishockey, sind kompakt und in allen Sturm-Reihen sehr ausgeglichen. Dennoch: Auch hier erwarte ich eine sehr, sehr enge Serie.
Denn Köln muss, wie Mannheim, zu Hause gegen Mannschaften beginnen, die gerade im Spielrhythmus sind. Da reden viele immer von einem Vorteil. Aber ich erinnere mich immer daran, dass genau diese Spiele vor eigenem Publikum im Anschluss an eine Pause besonders schwer waren. Wir selber haben das ja mit den Eisbären oft genug erlebt. Es ist nicht einfach, wieder in den Rhythmus zu kommen. Und auf der anderen Seite stehen dann nämlich Teams, die bis in die Haarspitzen motiviert gerade auf einer Erfolgswelle nach dem Weiterkommen in der ersten Playoff-Runde schwimmen.
Naja, warten wir es ab. Ich selber werde am Sonntag bei der ServusTV-Übertragung in Köln zugegen sein. Bis dahin wünsche ich euch Fans natürlich tolle und spannende Playoffs. Genießt die Zeit !
Euer, „Felle“