\"Turtle\" Treutle und der Wille zum Erfolg

Niklas Treutle war zufrieden. Sehr sogar. Nach dem 2:0-Sieg von Bayern München am Mittwochabend bei Juventus Turin und dem gleichbedeutenden Halbfinaleinzug der Champions-League ging es „Turtle“, wie er von allen nur genannt wird, gut. Auch wenn er es mit seiner Freude nicht übertreiben will. „Sagen wir so“, grinst der 21 Jahre alte Schlussmann von den Hamburg Freezers, „ich würde mich jetzt nicht als großer Fan von den Bayern bezeichnen, aber ich sympathisiere durchaus mit ihnen.“ Warum das so ist? Den Grund legt er gleich nach. „Ich mag es einfach, wenn Mannschaften dauerhaft erfolgreich sind. So wie der FC Bayern.“

Eine ziemlich gewagte Aussage. Vor allen Dingen, wenn man Franke ist. Als gebürtiger Nürnberger sollte man doch eigentlich Anhänger des Clubs sein oder? Treutle zuckt mit den Schultern: „Mag sein. Aber die Clubberer machten einem in den letzten Jahren einfach zu wenig Spaß, wenn man ehrlich ist.“

Erfolg ist das, was Treutle unbedingt will. Hatte er. Besonders in der vergangenen DEL-Saison. Schließlich kann er als einziger aller „Back up“-Kollegen die meisten Einsätze vorweisen. 18  insgesamt. Inklusive Playoffs kommt der Linksfänger sogar auf 24 Einsätze. Eine Einsatz-Quote, die mehr als passabel ist. Besonders dann, wenn die etatmäßige Nummer eins in Hamburg Dimitrij Kotschnew heißt. „Ich bin mit meinen Einsätzen zufrieden, keine Frage“, blickt Treutle zurück.

Dass der Schlussmann allerdings mehr Spiele bestritt als zunächst eingeplant, lag an der schweren Verletzung von Kotschnew. Der nämlich erlitt beim 2:1-Heimsieg gegen die Kölner Haie Anfang März bekanntlich einen Riss des vorderen Kreuz- und des Innenbandes im linken Knie. Saison-Aus. Treutle war die neue Nummer eins. Eine gänzlich andere Situation entstand bei den Freezers. Während der Hauptrunde ein paar Spiele zu bestreiten war die eine Sache, mit einem erst 21 Jahre alten Keeper in die DEL-Playoffs zu starten eine andere.

Das Ende ist bekannt. Die Eisbären Berlin setzten sich in sechs Spielen gegen die Hamburg Freezers durch. Dass es zum Halbfinaleinzug nicht reichte, lag keinesfalls an Treutle, der eine gute Serie spielte. Dennoch blickt der Youngster mit einem weinenden Auge zurück: „Wir hatten es selber in der Hand. Es waren immer knappe Spiele. Aber Berlin war am Ende durch die Erfahrung halt den entscheidenden Tick besser. Hätten wir gewonnen, dann wäre für uns noch einiges mehr drin gewesen. Da bin ich sicher.“

Wenn es schon im Ligen-Spielbetrieb nicht klappt, dann eben international. Treutle, der in der vergangenen Woche schon in Weißrussland dabei war, wurde von Bundestrainer Pat Cortina auch zur Vorbereitungsphase zwei nach Regensburg und Selb eingeladen. Der Lohn für die harte Arbeit im Training. Treutle: „Das ist natürlich toll, dabei sein zu können. Hier lerne ich viel. Das hilft natürlich meiner Entwicklung.“

Sein erstes offizielles Länderspiel absolvierte der Keeper allerdings schon vor geraumer Zeit. Im Dezember 2011 saß er erstmals auf der Bank, als Deutschland Russland im Rahmen der damaligen „Top Team Sotschi“-Spiele (in Essen) bezwingen konnte. So, wie einen Tag später auch. In Duisburg fertigte die DEB-Auswahl Russland erneut ab. 4:1 hieß es am Ende. Gefeierter Held: Niklas Treutle. „Daran werde ich mich noch lange erinnern“, nickt der Freezers-Goalie.

Jetzt, in Regensburg und Selb, könnten seine Partien sieben und acht im Trikot des Deutschen Eishockey-Bundes e.V. dazu kommen. Mit Dennis Endras und Jochen Reimer besteht allerdings große Konkurrenz auf der Keeperposition. Klar, dass da die Trauben hoch hängen. Treutle nimmt es sportlich: „Beide sind Spitzentorhüter und sind gestandene Goalies. Es ist mir bewusst, dass sie die besten Chancen besitzen. Von daher gehe ich locker an die Sache heran und mache mir keinen Druck.“ Warum auch. Alleine im Kreise der Nationalmannschaft zu sein, ist für den Franken schon etwas Besonderes.

Mindestens ebenso besonders wie der Halbfinaleinzug des FC Bayern in der Champions-League.

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